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12 Nov. 18

Das pädagogische Paket

Angekündigt war es lange: Nun hat die Regierung die ersten beiden Teilprojekte des  „pädagogischen Pakets“ – die Leistungsbeurteilung und Adaptierung des Wiederholens von Schulstufen in der Volksschule und die Weiterentwicklung der (Neuen) Mittelschule – in den Gesetzwerdungsprozess geschickt (die Gesetzesentwürfe, die Stellungnahme der Gewerkschaft Pflichschullehrerinnen und Pflichtschullehrer und eine Information zu den weiteren Teilprojekten des „pädagogischen Pakets“ finden Sie anbei. 

Es bedarf jetzt sowohl einer genauen inhaltlichen Auseinandersetzung als auch einer kritischen Analyse, ob die geplanten Maßnahmen für unsere Schulen Schritte in die richtige Richtung darstellen – der Teufel liegt ja bekanntlich immer im Detail. Eine entsprechende Stellungnahme wurde von der Gewerkschaft Pflichtschullehrerinnen und Pflichtschullehrer nach eingehenden Beratungen bereits abgegeben, um erforderliche Änderungen noch vor der parlamentarischen Beschlussfassung herbeiführen zu können. Aufgrund des Fehlens von überarbeiteten Lehrplänen und einheitlichen Beurteilungsrastern wird aber eine endgültige Gesamtbeurteilung dieses Pakets derzeit genauso wenig möglich sein wie die Einschätzung des damit verbundenen Arbeitsaufwands und der daraus resultierenden Belastung für die Lehrerinnen und Lehrer. 

Im Übrigen sind auch zahlreiche Fragen (noch) ungeklärt und den „pädagogischen Stresstest“ müssen Ziele und Maßnahmen dieses Pakets erst absolvieren. Logisch und sinnvoll wäre wohl auch gewesen, wenn Faßmann und Co. eine geänderte Reihenfolge der Umsetzung der 6 Teilprojekte des „pädagogischen Pakets“ gewählt hätten (Teilprojekt 6: Weiterentwicklung der Lehrpläne – Teilprojekt 5: Weiterentwicklung der Notensystematik und Leistungsbeurteilung im Schulwesen – Teilprojekt 1: Präzisierung der Schulreifekriterien – Teilprojekt 2: Leistungsbeurteilung und Adaptierung des Wiederholens von Schulstufen in der Volksschule – Teilprojekt 4: Weiterentwicklung der (Neuen) Mittelschule), um nicht die gleichen Probleme und Fehler, die bei der Umsetzung der Deutschförderklassen passiert sind, zu wiederholen. Es wäre klug und hilfreich, das nochmals zu überdenken. 

Eines geht aber aus meiner Sicht tatsächlich in eine richtige Richtung: Der von vielen Schulen geäußerte Wunsch nach autonomen Standortentscheidungen bezüglich Differenzierung und Leistungsbeurteilung wurde erfüllt und kann Lehrerinnen und Lehrer sowohl in ihrer pädagogischen Freiheit als auch in ihrer organisatorischen Flexibilität stärken – wohlgemerkt jedoch nur dann, wenn die notwendigen Ressourcen ausreichend und nachhaltig jeder Schule zur Verfügung gestellt werden. 

Für den Fall, dass manche wieder glauben, dieses Paket sei ein „Problemlöser für alles“:  Nein, für die tagtäglichen pädagogischen, sozialen, religiösen, familiären, sprachlichen, menschlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen ist ein deutliches Mehr an vorschulischen Maßnahmen, Sprachförderungen, Integrationshilfen, Unterstützungssystemen, Sonderpädagogik sowie die längst überfällige Doppelbesetzung in den Volksschulen dringend erforderlich.

Vielleicht gibt es für unsere Schulen aber doch einen „Problemlöser für vieles“: Schluss mit dieser unsäglichen Dauer-Reformitis!

Paul Kimberger
Linz, 12. November 2018

Stellungnahme d. GÖD f. APS zum Pädagogischen Paket